Süchte und Abhängigkeiten


Abhängigkeiten werden oft sehr spät entdeckt. Der Abhängige tappt langsam in diese Falle. Fast immer  wird zunächst etwas ausprobiert. Dabei geht es in den meisten Fällen darum,  sich über eine Substanz selbst mehr zu spüren bzw. negative Emotionen zu verdrängen. Vielleicht ist auch eine gewisse Neugier im Spiel, die Suche nach einem Kick.  Nicht selten sind auch genereller Frust oder soziale Hemmungen der Auslöser.

 
Sobald der Betroffene merkt, dass seine Selbstkontrolle schwindet, versucht er seine Abhängigkeit zu verbergen. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Die Lügengebilde türmen sich auf, bis der ganze Turm instabil wird und in sich zusammenstürzt. Spätestens dann merken es die Angehörigen, und viele werden aus Unwissenheit zu unfreiwilligen Unterstützern der Sucht, so genannten Co-Abhängigen. Sie versuchen, den Betroffenen zu stützen, zu motivieren, und nehmen ihn in Schutz. Schlimmstenfalls übernehmen sie für ihn und seine Sucht sogar auch noch Verantwortung.


Das Paradoxe daran ist, dass bei einer solchen Co-Abhängigkeit der gegenteilige Effekt des Erwünschten eintritt: Der Abhängige gerät noch tiefer in die Sucht. Er wird unterstützt und hat dadurch wenig oder sogar keinerlei Eigenmotivation, aus dem Teufelskreis herauszukommen. Dabei ist gerade dieses dringend nötig, denn ohne Eigenmotivation ist eine erfolgreiche Heilung nicht möglich. Es ist in meinen Augen wichtig, dass dem Betroffenen Grenzen gesetzt werden, bzw. dass der Partner/Angehörige nach sich selbst schaut. Denn es hilft niemanden, wenn letztlich zwei Menschen leiden oder gar zugrundegehen.