Die Opferrolle


Jeder Mensch füllt im Laufe seines Lebens viele Rollen aus. Wir sind Kind, Frau/Mann, Mutter/Vater, Kollegin/Kollege und noch vieles mehr. Je nach Situation und Umfeld switchen wir mehrmals am Tag.


Mal sind wir aktiv, dann wieder passiv, einmal glücklich, fröhlich und liebevoll, dann wieder schlecht gelaunt, verletzt, ärgerlich und misstrauisch. Solange alles im Fluss ist und kein ausgeprägtes Leiden bei uns oder anderen verursacht, ist dies ganz normal und unsere Welt generell in Ordnung.


Schlimm wird es, wenn wir in die Opferrolle fallen und dauerhaft darin verharren. Wir fühlen uns dann schutzlos und ausgeliefert, haben scheinbar keine Wahl.
Wir glauben, alles erdulden und aushalten zu müssen. Das Leben wirkt erdrückend, und die Resignation nimmt uns sämtliche positiven Perspektiven.


Dabei gibt es freilich den Unterschied zu beachten zwischen einer erworbenen Opferhaltung und tatsächlichen missbräuchlichen und lebensbedrohenden Ereignissen und Übergriffen. Insbesondere Missbrauch und lebensbedrohliche Ereignisse sowie schwere und/oder chronische Erkrankungen sind extreme psychische Belastungen, bei denen therapeutische Begleitung Entlastung bringen und von großem Nutzen sein kann. Bei der erworbenen Opferhaltung ist es meist leichter, diese wieder aufzugeben und in eine aktive und selbstverantwortliche Haltung zu wechseln.